| wo man nicht hin muss |
Wednesday, 14. June 2006
Wie man Gäste vergrault
Indische Restaurants und Imbisse gibt es in Friedrichshain in erstaunlichen Mengen und an inzwischen auch an Ecken, wo man sie nicht erwartet. Mühsam- Ecke Sorgestraße zum Beispiel. (Die Straßen bei mir um die Ecke heißen wirklich so.) Dortselbst, drei Minuten von meiner Wohnung entfernt, befindet sich das „Taj Mahal India“, das ich letzte Woche besuchsbedingt aufzusuchen nicht das Vergnügen hatte. Dass alle preiswerteren Inder innen gleich aussehen - gelb gekalkte Wände, vielfarbige, -armige oder -rüsslige Wandbilder, dazu rustikales Eckkneipenmobiliar und vorderasiatische Zahnschmerzmusik in Endlosschleife -, das ist man gewohnt. Dass die Speisekarte 700 Positionen umfasst, die zwar alle gut, aber auch alle indentisch schmecken, ist auch nicht überraschend. Die Bedienung jedoch war in vielerlei Hinsicht absolut untypisch. Zunächst einmal war das Kellnerwesen weder indischer, pakistanischer noch sonstwie subkontinentaler Provenienz, sondern kam vermutlich aus Bulgarien, Rumänien oder Albanien. (Nichts gegen diese Länder als solche. Aber.) Die Matrone hatte sich ihre strohige Haarpracht engehennat, wog mindestens 30 Kilo zuviel und wäre besser in der Spielothek oder Wäscherei geblieben, wo sie vermutlich hergekommen war. Wir setzten uns an einen Ecktisch. Gut, auch der begleitende Besuch ließ nicht gerade gute Kinderstube erkennen und telefonierte erst einmal ausgiebig mobil. Als Weinkenner verlangte er dann bei der Bestellung die Flasche Weißwein zu sehen, die den offenen Chardonnay beherbergte und bestellte nach einem abschätzigen Blick auf das Etikett dann statt eines halben Liter Weines aber doch lieber einen halben Liter Bier. Ich folgte seinem Beispiel. Ungefähr 20 Minuten später (es waren, nebenbei bemerkt, außer uns ungefähr noch 5 weitere Gäste anwesend) rollte die Matrone heran und brachte mir ein Bier und dem Besuch ein Alster! Selbiges ging sofort wieder zurück, und der Besuch verlangte ein richtiges Bier und zudem einen Sambucco. Zähneknirschend nahm die Thekenkraft das abgelehnte Kaltgetränk wieder mit (um es dann vermutlich dem Pechvogel hinzustellen, der dann als nächster irgendwann im Laufe des Abends das ekle Bier-Limo-Gemisch bestellen würde). Auch die Essensbestellung war unterwegs (wahnsinnig kompliziert: zwei Hauptgerichte, fertig). Mit dem Sambucco wurde es hingegen nichts: alle! beschied das Monstrum. Ob es Grappa bringen solle? (Vor dem Essen!) Wir verzichteten. Gegen das Essen lässt sich nichts sagen. Frisch und heiß dampfte es munter auf dem Stövchen, üppig bemessen und von solider Schärfe. Der Besuch, von der umfänglichen Portion überfordert, wollte seine in meiner Wohnung verbliebene kränkelnde Gattin am Mahle teilhaben lassen und bat, da eine Mikrowelle bei mir erstaunlicherweise noch keinen Einzug gehalten hat, das Kellner um zügiges Einpacken der übrig gebliebenen Portion. Minuten kommen (und gehen), was hingegen nicht kommt, ist die Bedienung. Nachforschen bzw. -haken am Tresen ergibt: Flaschen sortieren ist wichtiger! „Nun seinse mal nicht so ungeduldig, das wird doch eh kalt - oder wohnen Sie etwa in der Nähe?!“ blubbert es aus dem Kühlschrank hervor. Nach der angemessenen Reaktion wird dann doch abserviert und - oh Wunder - eingepackt wiedergebracht und auf den Tisch geworfen. (Wir waren aber ziemlich skeptisch, ob auch kein Strichnin beigemischt wurde.) Ich geruhe, die Wahnsinnszeche von 20,90 Euro zu bezahlen und zücke einen Fünfziger aus der Börse und ein Zweieurostück aus der Hosentasche. Die Matrone legt einen 20-Euro-Schein auf den Tisch, dann einen Fünfer, dann etwas Kleingeld - und nimmt den Zwanziger wieder weg! „Moment, ich habe Ihnen einen Fünfziger gegeben“, interveniere ich. „Das war Zwanziger“, raunzt die Geldwäscherin und wühlt weiter. „Jetzt machen Sie mal halblang! Ich habe Ihnen 52 Euro gegeben und will jetzt 30 Euro wiederhaben!“ (Kopfrechnen schwach.) „Wieder 50 Euro weg. Ich glaube Ihnen nicht“ blubbert uns entgegen - als wäre eine arme, unschuldige Servierkraft zwei gewaltbereiten Trickbetrügern zum Opfer gefallen. Ich bin fassunglos, aber die Servierkraft hat sich inzwischen ihren nächsten Opfern zugewendet. Im Vorbeigehen teile ich ihr mit, dass sie nicht befürchten müsse, uns jemals wieder hier als Gäste ertragen zu müssen. Vollkommen desinteressiert ruft sie mir „Schönen Abend noch“ hinterher. „Den wünsche ich Ihnen nicht!“ verabschiede ich mich, und hätte mich der Besuch nicht mehr oder weniger aus dem Etablissement gezogen, wäre wohl noch irgend etwas zu Bruch gegangen. Es kann der Ruhigste nicht in Frieden speisen, wenn die Bedienung ihn nicht lässt - trotz guter Küche muss vor dem Taj Mahal in Berlin-Friedrichshain, Mühsamstraße Ecke Richard-Sorge-Straße, aufs Eindringlichste gewarnt werden. Taj Mahal India Mühsamstr. 29 10249 Berlin Florian Meerwinck ... Comment
silbermund, 2007.08.02, 19:41
Junge, Junge...
...euch möcht ich aber auch nicht als Gäste haben. Das ist ja der pure Schnösel-Terror...
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